| $:\ | Connection to astar/010411/SoA/M41/beko/Sonstiges/Wort zum Sonntag/Bahn Fahren confirmed... |
|
$:\ $:\ $:\ $:\ $:\ $:\ |
_ _ _ _ | |__ ___| | _____ ___ __ _____ _ __| | __| | | '_ \ / _ \ |/ / _ \/ __| \ \ /\ / / _ \| '__| |/ _` | | |_) | __/ < (_) \__ \ \ V V / (_) | | | | (_| | |_.__/ \___|_|\_\___/|___/ \_/\_/ \___/|_| |_|\__,_| |
|
$:\ Loading menu... $:\ $:\ $:\ $:\ News $:\ Info $:\ Larp $:\ Linux $:\ Bulli $:\ Warhammer $:\ Sonstiges $:\ --Galerie $:\ --Wort zum Sonntag $:\ ----Bahn Fahren $:\ ----Keyboards $:\ Downloads $:\ Kontakt $:\ Sitemap $:\
|
Bahn Fahren - immer wieder ein Erlebnis.19.02.2002Stuttgart besitzt eines der besten Bahnnetze der Welt, kann man in den Medien lesen. Spätestens mit dem Bau von Stuttgart 21 soll Stuttgart ein Paradebeispiel an Vernetzung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelten. Immerhin fahren fast 13% des gesamten Berufsverkehrs nur noch mit der Bahn. Doch bis dahin wird es noch ein weiter Weg sein, denn die Bahn scheint den Anschluss zu verpassen. Es ist keine Seltenheit mehr wenn eine S-Bahn zu spät kommt, zumindest während der Stoßzeiten, Berufsverkehr und so weiter, sollte man ruhig einen Anschluss später einplanen - unter Umständen sogar einen noch späteren. Wenn ich von der Arbeit nach Hause fahre bin ich gut und gerne 1h 30m unterwegs. Stehe ich am Bahnsteig verdrehe ich bereits die Augen wenn das Knacksen der Lautsprecher ertönt, ein klares Zeichen für eine weitere Ansage der Bahnbeamten: "Die S1 hat leider ca. 5-10 Minuten Verspätung, wir bitten um ihr Verständnis." Mit dieser Meldung vergrößert sich meine Reisezeit auf nun mindestens 2 Stunden. Kein Problem, ich kenne das Spiel ja und plane schon mal nichts wichtiges für den Abend ein und nehme immer eine Beschäftigungsmöglichkeit mit auf die Reise, sei es ein gutes Buch oder einen Laptop. Einen Lachkrampf bekomme ich aber wenn statt der gewohnten "5 Minuten Verspätet" - Meldungen etwas in dieser Art ertönt: "Auf Gleis 2 fährt nun ein die 20 Minuten verspätete S6 Richtung Weil der Stadt. Bitte verwechseln sie diese Bahn nicht mit der bereits seit 5 Minuten verspäteten S6 Richtung Leonberg". Damit kann man schon fast wieder einen kleinen Bonus herausholen wenn man versucht einen Anschluss zu bekommen der laut Fahrplan 5 Minuten vor der eigenen Bahn den Bahnhof verlässt. Manchmal klappt dies sogar und falls nicht - nun warten muss man sowieso. Gut dass man nicht alleine warten muss. Die Bahnhöfe sind gesäumt mit freundlichen Menschen welche immer gerne zu einem kleinem Plausch bereit sind. Die nettesten Menschen die ich inzwischen am Bahnhof traf sind zum Bleistift jene welche sich trotz der vielen Rauchen verboten Schilder keinen Zwang antun und ihren Mitbürgern den Griff zur eigenen Zigarette ersparen, mit passivem Mitrauchen kommt schließlich jeder auf seine Kosten. Die bahnhofeigene Polizei sieht dies offensichtlich genauso und ignoriert erfolgreich das Problem. Einige ganz schlaue Menschen stellen sich auf die letzte Stufe der Treppen zur Bahnstation, ein Bereich in dem das Rauchverbot ohnehin nicht gilt, schließlich behaupten die Lautsprecherdurchsagen ja nur dass das Rauchen auf dem Haltestellenbereich strafbar ist, von den Treppen hat man noch nie etwas gehört. Hier tummeln sich dann neben Rauchern, welche sich über mangelnde Aschenbecher beschweren, auch noch kleine Taschenradios welche mit ihren quickenden Lautsprechern den ganzen Bahnsteig mit wohliger Musik füllen, die Menge wippt in Ekstase mit. Hat man nun zuviel von der Musik abbekommen sucht man vergebens nach einer Toilette in Reichweite um sich mal so richtig auszukotzen. Der Weg zum anderen Ende des Bahnsteigs ist zu weit, die Toiletten in der Regel ohnehin verdreckt und meist rund um die Uhr besetzt, also warum nicht gleich mitten auf den Bahnsteig kotzen. Anschließend bringt ein Bier die erhoffte Linderung und der Rest des Mageninhalts bleibt endlich wieder drinnen - oder das Spiel geht von Vorne los - Mahlzeit, gut dass ich morgens keine Zeit mehr habe um zu frühstücken. Aber was rede ich, endlich kommt die Bahn und die Schlacht um die Einstiegsluke beginnt. Dies ist eine der spannendsten Schlachten, sowohl als Verteidiger wie auch als Angreifer. Das ganze erinnert mich ein wenig an TFC. Die Türen schwingen auf und die ersten stürzen sich im Blutrausch in den Wagen. Die Verteidiger nutzen die Chance und drängen an die frische Luft, eine Keilerei um die viel zu enge Türe beginnt, wer kommt heute schon mit 2 Metern breiten Türen aus? Nun es ist geschafft, auch ich habe meinen Stehplatz ergattert und halte mich bereits in Position falls es bei der nächsten Station einen anderen Mitleidenden nach frischer Luft gelüstet, was man bei dem Muff in der Bahn durchaus verstehen kann, um mir seinen Sitzplatz zu schnappen. Leider bin ich nicht der einzige mit diesen Gedanken und feindselige Blicke werden ausgetauscht. Die Reise geht los, der Eimer wackelt wie ein Kuhschwanz im Hochsommer, mit dem einzigen Haken dass wir Winter haben, was einige Leute nicht verstehen und die Fenster aufkurbeln. Nun die Luft ist wirklich nicht die beste aber dafür ist sie wenigstens warm! Hier prallen Welten aufeinander und böse Worte werden ausgetauscht. Gleichzeitig versteht Opa Müller, welcher 2 Plätze für sich und seine Einkaufstüten belegt, nicht, dass dies ein Nichtraucherabteil ist und versucht unter Protest des halben Wagens seinen Sargnagel anzuzünden. Endlich erbarmt sich einer und wirft den Kotzbalken einfach aus dem Fenster. Mir ist inzwischen auch schon wieder zum Kotzen, das Ruckeln wird nicht besser sondern schlimmer, die Gleise sind einfach nicht mehr die neusten. Die nächste Haltestelle rast heran, der Fahrer legt eine gekonnte Vollbremsung hin, Opa Müller verliert seinen 2. Kotzbalken vor Schreck, 2 Menschen vor mir haut es fast von den Füßen, das können keine Pendler sein, schließlich ist das Problem unter den hartgesottenen Regulars bekannt. Ich kann gerade noch eine ruhige Ecke ergattern und TFC Runde 2 geht los. Viele Menschen drängen hinaus, ein paar Trottel an der Türe aber nicht. Doch statt kurz auszusteigen drücken diese in den Wagen um dem Druck der Angreifer von außen zu entgehen. Sie werden gnadenlos zerquetscht und niedergemacht, recht so - so gehört es sich für Teamkiller. Immerhin, die Bahn verbraucht weitere 2 Minuten. Die Fahrt geht weiter, ich habe einen Sitzplatz erbeutet und bin glücklich mit der Welt. Doch was höre ich da? Da quetschst sich so ein Typ durch die Reihen und murmelt etwas von Fahrkartenkontrolle. Ach nö nicht schon wieder, ich fahre jeden verdammten Tag um diese Uhrzeit, inzwischen müsste der Typ meinen Namen samt Adresse und Stammbaum hinunterbeten können, doch er verlangt tatsächlich Tag um Tag nach dem selben Fetzen von Dauerfahrkarte. Also grabe ich in meiner dicken Winterkleidung und werde nach kurzer Zeit fündig. Er wirft nur einen kurzen Blick darauf, einen Blick der das Datum meiner Karte nicht mal mit einer Superlupe hätte erreichen können, und schlappt zum nächsten Trottel weiter. Umsteigen ist angesagt. Ich bestehe die nächste Runde TFC mit Bravour und befinde mich in meinem nächsten Anschluss den ich, oh wunder, tatsächlich noch bekommen habe. Dass dies nur darum geschehen ist dass der Anschluss auch 10 Minuten zu spät kam interessiert mich an dieser Stelle nicht. Ich sehe fasziniert zu wie 2 kleine Jungs ihrem Opa das Spiel ‚Nibbles' auf dem Handy erklären. Der arme Mann weiß schon garnicht mehr was er machen soll und schüttelt nurnoch hilflos den Kopf. Ein Blick in die Runde bestätigt mir dass er ein Außenseiter ist - jeder 2. in der Bahn daddelt gerade Nibbles, welch ein Schmach. Naja, immernoch besser als die Handykonzerte die gelegentlich zum Besten gegeben werden. Der Wortlaut ist eh immer der gleiche: "Hallo? Ja ich bin gerade bei <beliebiger Haltestellenname> und in 10 Minuten zu hause. Ja ist gut. Bis gleich Schatzi!' *klick*. Nächste Runde TFC, es wird eng in dem Kasten auf Rädern. Das Maximum an zulässigen Personen pro Waggon ist weit überschritten, was nicht zuletzt daran liegt dass die Türen des ersten Waggons beschädigt sind und der gesamte Wagen somit gesperrt ist, alle Reisenden müssen sich auf die anderen beiden verteilen. Ich stehe - bzw. schwebe, den Umfallen kann man nicht mehr, es ist zu eng hier! - in der ersten Klasse. Nein ich habe kein Ticket für die erste Klasse aber die Bahn ist zu voll und so haben wir uns einfach in die erste Klasse gequetscht, eine Kontrolle kommt da jetzt sowieso nicht mehr durch. Eines weiß ich, die erste Klasse lohnt sich in keiner Weise, sie ist kein bißchen anders. Heute habe ich den Vorteil dass ich mich nirgendwo festhalten muss, allerdings frage ich mich wie die Leute an den Türen und Fenstern den Druck dieser Menschenmasse aushalten - und erst recht die Fensterscheiben! Was ist jetzt kaputt? Die nächste TFC-Runde habe ich überlebt doch der Kasten setzt sich nicht mehr in Bewegung! Wir stehen hier seit 5 Minuten, eine willkommene Abwechslung nach dem Geruckel, aber irgendwann sollte ich doch mal im Büro auftauchen. Ah das Lautsprecherknacksen, ich bin wirklich gespannt. Ernüchternd, ein paar Weichen sind schon wieder zugefroren, kein Wunder bei dem Sauwetter, das passiert täglich öfter. Was mich mehr wundert warum es die Bahngesellschaft nicht schafft in den Wintertagen zusätzliches Personal abzustellen um diese Probleme schneller bewältigen zu können. Es geht weiter, die Strecke ist wieder frei und insgeheim frage ich mich was als nächstes kommt. Vielleicht ein Indianerüberfall oder eine eingestürzte Brücke, inzwischen traue ich der Bahn alles zu und meine Fantasie kennt kaum noch Grenzen was noch kommen könnte. Leider ist die Realität verblüffend fantasielos, lediglich die mittlere Wagentüre klemmt und lässt sich nicht öffnen. Nun gut die nächste TFC-Runde verteilt sich eben durch den halben Wagen zu den anderen beiden Türen, einfach mit der Menge mitspühlen lassen und kurz vor der Abfahrt wieder aufspringen, das klappt immer, garantiert! Nun der Schaffner will dem Problem auf jeden Fall auf die Spur kommen und schaltet die Kompressoren ab um die Luft aus der Hydraulikvorrichtung der Türen erst einmal komplett entweichen zu lassen. Das kennt man ja schließlich von Windows, ein Neustart und alles wird gut. Der Vorfall raubt weitere 5 Minuten. Ich kalkuliere einen Anschluss ein welcher 3 Züge später führt als ich ursprünglich vorhatte. Die Türe geht wieder, der Eimer rumpelt weiter, alle Fenster sind zu und ich habe einen Sitzplatz gefunden, die Welt ist schön. Nein ich träume nicht, aber ich befinde mich inzwischen in den Randgebieten Stuttgarts und fast am Ziel, hier treiben sich kaum noch Pendler herum. Es gibt keine Schlacht mehr an der Eingangstüre und keine Kontrollen mehr. Nach 2h 30m erreiche ich den Zielbahnhof am Ar*beep* der Welt. Ich kämpfe mich noch 10 Minuten durch einen kleinen Blizzard und erreiche das Büro. Mein Cheff will zum Glück nicht wissen wo ich den schon wieder so lange steckte, er muss das Problem selbst von früher kennen, der Zeit ohne ein eigenes Auto. Insgeheim freue ich mich bereits wieder auf die Heimfahrt, sie verspricht mindestens genau so unterhaltsam zu werden wie die Hinfahrt. Als Reaktion auf diesen Text erhielt ich im Forum von Oldworld ein tolles Feedback von seebaer was ich hier ebenfalls noch abdrucken möchte: So schnell wie möglich in die Bahn rein, ohne auf evtl. Verluste der aussteigenden Personen zu achten! Ich bin Rollstuhlfahrer und die Bahn hat die Angewohnheit, so ca. 20 cm vom Bahnsteig weg anzuhalten. Die perfekte Stolperstelle für die Vorderräder eines Rollstuhls. Prinzip: Wie kippe ich eine Schubkarre aus und bremse elegant mit der Fresse am Boden. Nun Rollifahrer üben dann das Balancieren auf den Hinterräder um diese Hürde zu überwinden. Öhm, ich fahre ein Elektrorollstuhl, da ist nix mit Balancieren. Aber, wenn ich Vollgas gebe, dann kippt der Rollstuhl (ähnlich dem Balancieren) auf seine Hinterräder und mit der Beschleunigung auf 6 km/h in genau 50 cm wickelt der mutige Rollifahrer sich dann elegant um die blöde Stange in der Mitte der Tür. Zumindest sind wir jetzt in der Bahn drinnen. Jetzt wird es lustig: Wir haben die freche Art an uns und wollen wieder austeigen. (Ich weiß, ziemlich unverschämt von mir). Die Tür geht auf! Ein lauter Schrei zu den drängelden Leuten etwas Platz zu machen, damit ich auch rauskomme. Ich gebe Gas, 6 km/h, der Rolli springt aus der Bahn, der 20 cm Abstand wird im Flug genommen, die Vorderräder in der Luft, es klappt, die Landung wird erwartet......... Und dann sind drei Leute der Meinung sich ausgerechnet jetzt in den Zug reindrängeln zu müssen. Weil sie es eilig haben und den Zug verpassen könnten. Erwähnte ich, das mein Bremsweg länger ist als der Beschleunigungsweg? Zumal bremsen im Flug etwas schwierig ist. Resultat: Viele blaue Flecken und humpelnde Fahrgäste die ich frontal weggekickt habe mit dem Rollstuhl. Und mit was für einem Kick, knapp 200 KG Masse die dich mit 6km/h voll treffen. Tja, diese Situation passiert mir auf jeder Fahrt. Und das nur, weil einige der Meinung sind, sie müßten einsteigen bevor die anderen ausgestiegen sind. Am Kölner Hauptbahnhof macht das ganze erst richtig Spaß, weil da es niemand einsieht zusätzlich noch etwas Platz zu machen. Trotz mehrmaligen Rufens und einer Begleitperson die versucht die Leute etwas aufzuhalten. => Bahnfahren macht Spaß, wenn man rollifahrender Sadist ist! Schade nur um meine Speziallakierung, die immer Kratzer abbekommt... |